Die zwei Seiten des Mutterseins!

Seit acht Jahren bin ich nun Mutter eines ganz tollen Jungen.

Seit acht Jahren schwanke ich zwischen „super-stolz“ und „vollkommen-ängstlich“.

Seit acht Jahren springe ich immer wieder über meine Angst, zum Wohle meines Sohnes.

Welche Mutter kennt das nicht? OMG, klettere ja nicht da hoch! Und der Papa so: „Lass ihn, er muss es lernen“. Und ich gedanklich: „Ich weiß, aber könnten wir nicht unten drunter ein Luftkissen aufbauen, so wie bei der Feuerwehr?“

Nicht nur das Kind musste viel lernen, auch ich als Mutter habe jeden Tag etwas dazu gelernt. Etwa, dass Kinder gewisse Erfahrungen machen müssen. Dazu gehören blaue Flecken, Bisswunden (von anderen Kindern), aufgescharte Knie, kaputte Hosen, Kratzer von der Katze (weil die irgendwann auch mal kein Bock hat) und leider auch ein bereits gebrochenes Bein (zu meiner Verteidigung: ist im Kindergarten passiert). Das war die schlimmste Woche in meinem Leben. Ich hätte alles dafür gegeben die Schmerzen des Kinder zu übernehmen. Gott sei dank, ließen die Schmerzen nach einer Woche nach. Ich musste lernen, dass man manchmal seine Kinder einfach „lassen“ machen muss und nicht immer gleich eingreifen sollte. Dass Kinder Streitigkeiten auch mal alleine klären sollten, dass Kinder auch mal Widerworte geben dürfen und sollen.

Auch heute (Junior geht in die 2.Klasse) sterbe ich innerlich immer wieder den Mama-Tod. Vor allem wenn es darum geht, dass er Dinge alleine macht, denn er ist ja schon groß. Es fing damit an alleine zum Freund zu laufen oder dann dort zu schlafen. Ein Glück dass ich damit überrumpelt wurde, sonst hätte ich wahrscheinlich Nein gesagt. Selbst wenn er mit meinen Schwiegereltern im Urlaub ist, sterbe ich tausend Tode. Mir fallen tausend Dinge ein, die passieren könnten, obwohl ich weiß, dass er bei seinen Großeltern gut aufgehoben ist. Am schlimmsten war es als er mit seiner Oma allein in Berlin war. Ich bin gebürtige Berlinerin, kenne also die Großstadt. Aber mein Kind nicht, er kennt keine U- oder S-Bahn, keine vollen Bahnhöfe, etc. Am liebsten hätte ich meiner Schwiegermutter ne Art Hundeleine für mein Kind mitgegeben. Musste mir jedoch eingestehen, dass das vielleicht „ein wenig“ übertrieben ist. Dafür hab ich ihm eingetrichtert auf gar keinen Fall und unter keinen Umständen  die Hand seiner Oma los zu lassen. Gerade letzteres scheint auf ein kleines Kindheitstrauma meinerseits hinzudeuten. Als Kind war ich mit meiner Mutter auf einem Rummel unterwegs und ich scheine eine wenig abgelenkt gewesen zu sein. Auf jeden Fall fand ich mich plötzlich an der Hand einer mir völlig unbekannten Person, die sich köstlich über mich amüsierte, denn ich selber war, völlig durch den Rummel abgelenkt, an die Hand dieser Person gegangen. Ich dachte wohl es sei meine Mutter. Tja, die stand einige Meter hinter mir und hatte alles mitbekommen, war aber nicht eingeschritten. Auch sie lachte, nur ich fand das in dem Moment nicht so toll. Seitdem hatte ich als Kind Angst, dass man mich irgendwo (Zug, S-Bahn, o.ä.) vergisst. Zug fahren war wohl sehr anstrengend mit mir.

Zurück zum eigentlichen Thema. Obwohl ich weiß, dass mein Sohn das macht, was ich ihm sage (also meistens), gabs es zwei, drei Situationen wo ich den Mama-Tod gestorben bin.

1.Ski fahren in Östereich – auf nem Gletscher – wo es auch mal Berg ab geht, also so steil. Leider oder Gott sei Dank fährt er schon sehr, sehr gut und schnell. Im Gegensatz zu mir. Somit war Papa mit ihm die ganze Zeit unterwegs. Blaue und rote Pisten. Ich nur die blauen. Ich wollte gar nicht wissen wie und wo sie gefahren sind. Ich war eine Woche im Dauerangstzustand und froh wenn der Tag vorbei war. Und obwohl ich mich aufs Ski fahren freuen, habe ich beim Gedanken daran schon wieder feuchte Hände.

2. Alleine zur Schule gehen. Bisher hab ich ihn gebracht, da es auf dem Arbeitsweg liegt. Aber wir wollten dem Kind mehr zutrauen und sein Selbstbewußtsein stärken. Also los. Ok, eigentlich ist eine ganze Herde von Kindern, die zusammen laufen. Doch innerlich war ich fertig. Und nur nix nach außen zeigen. Ich habe immer das Bild vor Augen, wo ein Kind auch alleine unterwegs ist und plötzlich kommt ein Schmetterling und schwups ist es von seinem Weg abgewichen.

3. Dann mussten wir jetzt eintragen ob er alleine nach Hause gehen kann. Alles in mir streubte sich. Nein, will ich nicht. Ok, Widerstand meinerseits wurde vom Kind und vom Mann gebrochen. Aber ich hatte noch einen Trumpf. Die Uhrzeit. Normalerweise holt mein Mann ihn ab. Doch manchmal muss auch er Überstunden machen und dann wird es knapp. Also kann er zum spätesten Zeitpunkt gehen, auch wenn Papa nicht da ist. Natürlich muss er, wenn er zu Hauseist, gleich mich anrufen und Bescheid geben, dass er angekommen ist. Boah, voll der Kontrollwahn. Aber eigentlich leidet nur der Papa, denn den nerve ich, endlich das Kind abzuholen. (Für alle die sich fragen warum ich das nicht mache: ich arbeite da noch).

Das das Mama-Sein manchmal auch etwas mit Ängsten zu tun hat, ist mir vorher gar nicht so bewusst gewesen. Aber jetzt verstehe ich, warum meine Mum früher immer erst ins Bett gegangen ist, wenn ich daheim war (auch als 18-jährige) und ich sie auch jetzt (mit 35 Jahren) immer noch anrufen muss, wenn ich heil von ner längeren Fahrt angekommen bin. Gerade erst letztes Wochenende nen Anschiss per Whatsapp bekommen, weil ich es einfach mal vergessen hatte.

Ich verstehe es und hoffe, dass auch mein Sohn es irgendwann verstehen wird.

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Autor: Eileen

Kleindstadtfrau mit Großstadtträumen. Liebt Accessoires, Reisen und den täglichen Wahnsinn.

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